Geheimnisvolle Welt der Pardelkatzen

Zwergtigerkatzen - Zoo Prag
Zwergtigerkatzen - Zoo Prag

 In den vergangenen Folgen habe ich schon des öfteren über Hybriden geschrieben. Hybridisierung - Vermischung von Genen verschiedener Arten oder Unterarten passiert aber auch in der freien Natur und ist ein wichtiger Faktor der Evolution.

Durch moderne Methoden, besonders durch DNA-Analysen, werden frühere Vermischungen oder gemeinsame Vorfahren verschiedener Arten und neue Verwandtschaftslinien herausgefunden und damit auch neue Gattungen oder Arten festgelegt. So gibt es in der Welt der Katzen immer noch neue Erkenntnisse.

 

So wurde z.B. erst im Jahr 2004 der Malaiische Tiger durch Genanalysen als eine weitere Unterart des Tigers festgelegt, obwohl er früher als Indochinesischer Tiger geführt wurde.


Zu den neuesten Entdeckungen gehört die DNA-Analyse der kleinen Zwergtigerkatze - Leopardus tigrinus.
Die Tigerkatze, auch Ozelotkatze oder Oncilla genannt, gehört zu den kleinsten Raubkatzen in Süd- und Zentralamerika. Sie gehört zur Gattung Leopardus, die auch Pardelkatzen oder Ozelotkatzen genannt wird. Sie sind kaum erforscht, so dass es über die genauen Anforderungen der Art an ihren Lebensraum im Regenwald kaum Erkenntnisse gibt.

Die Pardelkatzen (Leopardus)
Folgende Arten werden zu den Pardelkatzen gerechnet:

-Pampaskatze (Leopardus colocolo)
                        Leopardus braccatus
                        Leopardus pajeros]
 -Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi)
-Chilenische Waldkatze (Leopardus guigna)
-Berg- oder Andenkatze - Leopardus jacobita)
-Ozelot (Leopardus pardalis)
-Tigerkatze  (Leopardus tigrinus)
                    Leopardus guttulus
-Langschwanzkatze -Margay  (Leopardus wiedii)

Was ich auch besonders interessant finde - Pardelkatzen (Gattung Leopardus), obwohl sie alle nur auf den Amerikanischen Kontinenten heimisch sind, ähneln mit ihrer Fellzeichnung auch den asiatischen Leopardenkatzen - Bengalkatzen (Gattung Prionailurus).

 

Bild: Palawan Bengalkatze (Asien) und            Zwergtigerkatze ( Süd Amerika) 

 

 

                                                                           Zwergtigerkatze
Engl.: The Little Spotted Cat or Little Tiger Cat
Franz.: Le chat-tigre, l'oncille
Tschechisch: Ocelot stromový


Diese kleine Verwandte des Ozelots - Leopardus pardalis, wird in ihrer Heimat auch als Oncilla oder Tigrillo bezeichnet, in Brasilien auch "Gato-do-mato" ( die Waldkatze).

Noch vor kurzem haben sie sich in 4 Unterarten geteilt:
- Leopardus tigrinus tigrinus (Nordöstliche Tigerkatze) - Venezuela, Guyana, Surinam, Franz.-Guayana, Nord Brasilien
- L. t. guttulus (Brasilianische Tigerkatze) - Süd Brasilien, Uruguay, Paraguay, Norden Argentinien
- L. t. oncilla (Oncilla) - Costa Rica, Panama, evtl. Nicaragua
- L. t. pardinoides (Nordwestliche Tigerkatze) - Nordanden von Kolumbien bis Bolivien

Die Zwergtigerkatze hat eine sehr weite Verbreitung, da aber die Bestandsdichte sehr gering ist und zudem die Bestände weiter abnehmen, wird sie als gefährdet eingestuft (Rote Liste). Verantwortlich für diese Situation sind schwindende Lebensräume. Denn wo ihre Waldheimat abgeholzt wird und ihre Beutetiere verdrängt werden, hat sie keinerlei Überlebenschancen. Für die Tigerkatze ist darum die Erhaltung großflächiger Naturlandschaften in Form von Reservaten und Nationalparks von größter Bedeutung.
Auch die übermäßige Bejagung der hübschen Kleinkatze durch Pelzjäger seit den sechziger Jahren, als Pelzmäntel aus Katzenfellen in Mode kamen, machte ihr zu schaffen. Zwar war ihr Fell auf dem internationalen Pelzmarkt nie ganz so begehrt, wie das des Ozelots, aber je weniger Ozelotfelle in den Handel gelangten, desto stärker kamen Tigerkatzenfelle in Mode. In den achtziger Jahren wurden dann schließlich mehr Tigerkatzenfelle als Ozelotfelle gehandelt - nach offiziellen Angaben allein im Jahr 1982 fast 70 000 Stück!

 

Erst im Jahr 1986 verbot die Europäische Union den Import aller Tigerkatzenfelle. 1989 wurde die Tigerkatze auf Initiative der Bundesrepublik Deutschland in den Anhang 1 des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) aufgenommen. Dadurch wurde der kommerzielle Handel mit ihren Fellen zwischen den mittlerweile 128 Vertragsstaaten vollständig untersagt. Gleichzeitig haben die Tier-, Natur- und Umweltschutzorganisationen in den wohlhabenden Staaten mittels aufwendiger Informationskampagnen erreicht, dass das Tragen von Pelzmänteln gesellschaftlich kaum mehr akzeptiert wird. Dies hat die Nachfrage nach Pelzen weiter sinken lassen und dafür gesorgt, dass die Jagd heute keine übermäßige Gefahr mehr für die Art darstellt.

Der Name der Tigerkatze täuscht. Ihr Fell ist ockergelb-bräunlich mit einem Muster aus dunkleren, offenen Rosetten, wie beim Leoparden. Nur von der Stirn bis zum Rücken verlaufen Streifen. In ihrer Gestalt und mit ihrer Längszeichnung (Streifung) ähnelt sie dem mehr bekannten Ozelot und des Margay so sehr, dass diese drei Arten leicht zu verwechseln sind.


Sie sind allerdings kleiner als der Ozelot, schlanker als Margay und weisen eine klarere Zeichnung des beige- oder ockerfarbenen Fells auf. Außerdem ist das Fell der Tigerkatze auch nicht so dicht wie das des Margays.
Die Tigerkatze ist etwas größer als die Hauskatze, bringt aber mit 1,5 bis 3 Kilogramm etwas weniger Gewicht auf die Waage. Die Augen liegen weiter auseinander, die Ohren sind etwas größer. Die Tigerkatze hat außerdem einen etwas zierlicheren Schädel. Bei der Tigerkatze kommt es häufig zu Melanismus - schwarze Färbung, die trotzdem Rosetten aufweist.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Katzenarten, die 38 Chromosomen haben, hat sie nur 36 Chromosomen.


 

Auf die Jagd geht die Tigerkatze hauptsächlich nachts. Den Tag verschläft sie in einer Baumhöhle, in dichtem Gebüsch oder auf einem tiefliegenden Ast. Obwohl sie eine gute Kletterin ist, lebt und jagt sie hauptsächlich am Boden und im bodennahen Geäst. Dadurch vermeidet sie Konflikte mit der nahe verwandten, ähnlich gezeichneten und im selben Lebensraum vorkommenden, jedoch mit 5 bis 9 Kilogramm etwas größeren Langschwanzkatze (Leopardus wiedii), welche fast ausschließlich in den Baumkronen auf Jagd geht.


Zu ihrer Beute gehören Vögel, Nagetiere, kleine Wirbeltiere, Eidechsen oder Käfer, wobei sie Vögel und auch langhaarige Säugetiere vor dem Verzehr sehr sorgfältig rupft. Ihre "Opfer" springt sie an und ist sogar in der Lage mit einem Schlag der Pfote einen vorbeifliegenden Vogel zu erbeuten. Eine weitere Besonderheit ist, dass sich dieses Kätzchen , als einzige Raubkatze , um einen Baum oder einen Ast herumwickeln kann, was natürlich einen Vorteil bei der Jagd darstellt.

Untersuchungen des Mageninhalts erlegter Tiere in Venezuela haben gezeigt, dass sich die Tigerkatze im allgemeinen von kleineren Beutetieren ernährt im Gegensatz zu dem ebenfalls am Boden des Regenwalds jagenden, mit 11 bis 16 Kilogramm deutlich kräftigeren Ozelot.  Das vermindert wiederum den Nahrungswettstreit zwischen diesen beiden Arten und erklärt, weshalb die beiden Katzen nebeneinander im selben Lebensraum existieren können.

Aber zurück zu den neuesten Untersuchungen.
Im Jahr 2013 haben Brasilianische Forscher der Universität Rio Grande do Sul in Porto Alegre (Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul ) das Erbgut mehrerer Tigerkatzen untersucht. Die Forscher untersuchten auch die mögliche Hybridisierung zwischen den Tigerkatzen und zwei weiteren Wildkatzen Brasiliens: der Kleinfleckkatze - Margay (Leopardus geoffroyi) und der Pampaskatze (Leopardus colocolo).
Insgesamt haben sie DNA Proben von 115 Leopardus tigrinus, 74 Leopardus Geoffroyi und 27 Leopardus colocolo analysiert.

Darunter waren erstmals auch Tigerkatzen aus dem Nordosten des Landes. Sie waren nie zuvor genetisch untersucht worden.

Diese Untersuchung zeigte, dass es zwischen den südlichen Tigerkatzen und den Kleinfleckkatzen zu einer fortlaufenden Vermischung kommt. Die Forscher fanden charakteristische Erbgut-Merkmale, die beide Arten aufwiesen. Zwischen der Pampaskatze und den Tigerkatzen im Nordosten des Landes kam es hingegen wohl nur früher einmal zu einer Vermischung.
Interessanterweise haben sie aber gar keine Vermischung zwischen den beiden Unterarten der Tigerkatze gefunden.

Diese leben voneinander getrennt und unterscheiden sich nicht nur in ihren Lebensräumen, sondern auch in ihrem Aussehen. Die nördlichen Populationen bewohnen offene , trockene Pampas und Savannen und sind eher heller gefärbt, die südlichen bewohnen dichte, feuchte Berg - Urwälder. Vermutlich spielte die Anpassung an die unterschiedlichen Lebensräume eine Rolle bei der Artbildung.

Die Tiere aus dem Nordosten Brasiliens (Leopardus tigrinus tigrinus) und die des Südens ( Leopardus tigrinus guttulus) unterscheiden sich also so sehr, dass sie besser als zwei Arten beschrieben werden sollten und nicht weiter als Unterarten.

Die im Nordosten sollten weiter Leopardus tigrinus tigrinus bleiben, die Tiere im Süden sollten künftig unter dem Artnamen Leopardus guttulus (ohne tigrinus in der Mitte) genannt werden.

Guttula - lat. Tropfen, einen deutschen Namen hat sie noch nicht; schade, dass  "Kleinfleckkatze " schon der Name für den Margay ist.

Ein paar Daten:
Die Tragezeit von Tigerkatzen beträgt 75 Tage und meistens kommen nur 1-2 Jungtiere auf die Welt. Diese wiegen bei der Geburt zwischen 60-100 Gramm. Trotz der langen Tragezeit und der geringen Größe eines Wurfes entwickeln sich die Jungtiere von Tigerkatzen im Vergleich zu anderen Katzen nur sehr langsam. Die Jungtiere öffnen ihre Augen erst zwischen dem 8. und dem 17. Tag. Die Milchzähne brechen erst am 15. bis 21. Lebenstag durch, und feste Nahrung fressen sie erstmals zwischen dem 38. und 56. Tag. 
Junge Tigerkatzen werden erst ab einem Alter von etwa drei Monaten nicht mehr vom Muttertier gesäugt, und erst mit elf Monaten sind sie ausgewachsen.

In menschlicher Obhut gehaltene Tigerkatzen erreichen ein Alter von bis zu 17 Jahren.
Tigerkatzen werden im Zoo Prag seit 1997 gehalten und seit 2004 wird von dort aus auch das Europäischer Zuchtbuch EEP geführt. Man findet sie nicht, wie die meisten Kleinkatzen, im Raubtierhaus, sondern in einem Gehege im oberen Teil des Zoos.

In Zoos werden Tigerkatzen eher selten gehalten , im Jahr 2013 lebten in Europa nur 21 Exemplare.
In Deutschland sind sie im Zoo Dortmund zu finden.


Ich habe von dem Koordinator im Prager Zoo den Originalbericht der Brasilianischen Wissenschaftler erhalten, (leider auf Englisch) wenn es jemand genau nachlesen möchte, einfach bei mir melden, ich schicke ihnen die PDF gerne zu.


Quellen:
Report - Molecular Data Reveal Complex Hybridization and a Cryptic Species of Neotropical Wild Cat
http://www.markuskappeler.ch/
Wikipedia
Welt der Katzen
Zoo Praha

 

 

Verwandte Blogfolgen:

 

Gattung Prionailurus:

Fischkatze - HIER

Palawan Bengalkatze - HIER

Rostkatze  - HIER

 

Weitere Katzen:

Manul - HIER

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Döltl Eva (Dienstag, 05 April 2016 21:26)

    Hallo Katerina ! Eine bezaubernde Katzenart !